Städtebau
Bildungscampus Süd in Heilbronn
Wettbewerbsgegenstand
Für das zentral in der Innenstadt liegende Areal soll eine städtebauliche Neuordnung erfolgen. Zielsetzung ist, entscheidende Synergien für die Verbindung zwischen Themen Bildungscampus, Innenstadt und der Stadtgesellschaft zu schaffen. Die in der jüngeren Vergangenheit vollzogenen und aktuell laufenden städtebaulichen Entwicklungen im Hochschulbereich tragen entscheidend dazu bei, das Profil der Stadt Heilbronn zur „Wissensstadt“ weiter zu schärfen. Die Synergien, die mit dem Hochschulbetrieb für die Stadt bestehen, sollen verstärkt in Richtung Innenstadt gelenkt werden, indem vorhandene städtebauliche Entwicklungspotenziale hierfür genutzt werden. Die künftige Baustruktur stellt das neue Bindeglied zwischen bestehenden Flächen der Bildungscampus nördlich der Mannheimer Straße, der Innenstadt sowie dem Neckarufer dar. Die Realisierung der Erweiterung des Bildungscampus Süd soll in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Der vorliegende Wettbewerb soll die Voraussetzungen dafür schaffen, die hierdurch gewonnenen Entwicklungspotenziale zur Abdeckung der Bedarfe, insbesondere für künftige Hochschulnutzungen, öffentliche Nutzungen und innerstädtische Wohnangebote zu definieren. Ziel der einphasigen Planungskonkurrenz ist es, eine entsprechend qualitätsvolle, wirtschaftliche und nachhaltige Planung zu erhalten, die auf die jeweiligen städtebaulichen, freiräumlichen, funktionalen und wirtschaftlichen Anforderungen angemessen und in hoher Qualität antwortet. Dabei sind die in der Auslobung genannten Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
Erläuterungstext
Der neu gestaltete Bildungscampus verknüpft künftig die umliegenden Areale miteinander, schafft eine Verbindung zur Innenstadt und bindet die Uferzone des Neckars ein. Auf dem Baufeld B entsteht ein lebendiges Quartier mit den Nutzungen Hochschule, studentisches Wohnen und Sportzentrum. Das bestehende Parkhaus wird erhalten und in das Gesamtkonzept integriert. Entlang der Mannheimer Straße entwickelt sich eine attraktive Wohnbebauung mit Boardinghaus und studentischem Wohnen. Durch die Bündelung der Funktionen auf die stadtnahen Baufelder kann das Baufeld A vollständig unbebaut bleiben und als Landschaftsraum für Sport- und Freizeitaktivitäten genutzt werden. Lediglich der Fußabdruck der alten Sporthalle wird als befestigte Sportfläche mit Tribüne erhalten.
Der Bildungscampus wird konsequent mit der Stadt und den angrenzenden Quartieren vernetzt. Die Anbindung an die Innenstadt und an die Wohnbebauung an der Turmstraße erfolgt über den Platz am Bollwerksturm. Entlang der in Ost-West-Richtung verlaufenden Magistrale reihen sich die Institute und weiteren Hochschulbereiche an. Sie mündet in den zentralen Campusplatz, der die Wegeverbindungen aus allen Richtungen bündelt. Die Hochschulgebäude gruppieren sich um den Grünen Campus und den Campusplatz. Über diesen zentralen Grünraum werden die südlichen Naturräume entlang des Neckars an den Bildungscampus angebunden. Es entstehen Aufenthaltsräume mit hoher Qualität. Die Fahrradrampe über der Bahnlinie wird entlang der Mannheimer Straße weitergeführt und parallel zum Parkhaus geführt. Mit der Verlängerung der Brücke wird das studentische Leben des neuen Campus mit der bestehenden Universitätsstadt verknüpft. Zugleich entsteht ein neuer Anschluss an die Innenstadt, wodurch das Parkhaus in ein attraktives Gesamtensemble integriert wird. Die Neubauten orientieren sich an den Standorten der ehemaligen Gebäude von Eisstadion und Freizeitbad, um den baulichen Fußabdruck zu minimieren. Entlang des Flusses verläuft die Neckarpromenade. Attraktive Uferzonen schaffen einen direkten Bezug zum Wasser. Die Promenade verbindet über die bestehende Unterführung die Baufelder A und B. Eine weitere neu geschaffene Unterführung verknüpft den Bildungscampus mit dem Sport- und Freizeitareal.
Im Nordosten (Baufeld C) entstehen städtisch geprägte Wohngebäude. Rücksprünge entlang der Mannheimer Straße gliedern die Fassaden. Durchgänge und Höhenstaffelungen schaffen Durchblicke und Wegeverbindungen und beleben so den Straßenraum.
Der Beginn der Magistrale und der Haupteingang zum Campus werden durch belebte Erdgeschosszonen mit Cafés, Meeting- und Showrooms, dem Sportzentrum sowie der Schwimmhalle akzentuiert.
NUTZUNGSKONZEPT
Teilbereich A – Areal Campuspark
Wesentlicher Leitgedanke des Entwurfs ist es den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Um möglichst viel graue Energie gebunden zu halten wird die historische Rollschuhhalle in seiner Grundsubstanz erhalten. Einzig die baufälligen Nebengebäude werden entfernt, sowie das Bestandsdach und Seitenverkleidung der Rollschuhhalle.
Sie kann perspektivisch als öffentliche Versammlungsfläche mit Diversen Nutzungen versehen werden. Vorstellbar sind z.B. Kunstausstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden. Diesen öffentlichen Nutzungen entgegenkommend ist die gebaute Tribünenanlage. Natürlich ist ihre ursprüngliche Nutzung als Sportstätte weiterhin gegeben, allerdings in flexibler Form. Neben der aktuellen Monofunktion als Hockeyfeld, ist auch freies und mobiles Sportmobiliar, wie Skatingrampen, Streetball, o.Ä. vorstellbar. Im östlichen Vorfeld der Halle wird ein neuer Picknickplatz mit schattenspendenden Bäumen vorgeschlagen. Somit wird die Einsichtigkeit der Halle, damit auch die einhergehende soziale Kontrolle und ihre Öffnung zum Park hin gewährleistet. Eine neue Querverbindung vom Calisthenics-Parcours nach Westen entlang der Sporthalle verbessert die interne Vernetzung des Parks. Entlang der Südseite der Rollschuhhalle ist die Ergänzung einer Boulderwand gut denkbar, womit nochmal die Multifunktionalität der historischen Halle betont wird.
Die Erschließung des Campusparks erfolgt weiterhin über den bestehenden Rundweg und ist südlich und nördlich durch Unterführungen an den Bereich B angeschlossen. Von einer weiteren Unterführung des Bahndamms wird aufgrund des wertvollen Baumbestandes und des zwingend zu erhaltenden Wurzelraums abgesehen.
Für die zukünftige ökologische Erhaltung und Aufwertung des Campusparks wird auf jegliche Baumfällung verzichtet. Ebenfalls wird in weniger intensiv genutzten Bereichen des Parks die Etablierung von Blühwiesen vorgeschlagen.
Teilbereich B – Areal Bollwerksturm
Im westlichen Bereich werden drei versetzte Baukörper mit fünf, acht und dreizehn Geschossen vorgeschlagen. Sie nehmen ein zweigeschossiges Foyer, Hörsäle, Labore, Seminar- und Besprechungsräume sowie Büros auf. Innenliegende Atrien sorgen für ausreichend Tageslicht.
Entlang des bestehenden Parkhauses ergänzt eine fünfgeschossige Gebäudespange mit Showrooms, Event-, Meeting- und Forschungsbereichen das Ensemble. Der Neubau öffnet sich mit einer transparenten Fassade zur Magistrale hin. Großzügige Dachterrassen in den Obergeschossen bieten zusätzliche Aufenthaltsqualität. Nebenräume und Treppenhäuser liegen auf der Nordseite. Stege verbinden das Institut mit dem Parkhaus
Das Parkhaus bleibt bestehen. Um den Campusinnenbereich autofrei zu halten, werden die Zufahrten zur Mannheimer Straße verlegt. Im Erdgeschoss ist ein Mobility Hub vorgesehen. Zusammen mit dem Institut bildet das Parkhaus das Rückgrat des Universitätscampus.
Zur Sicherung der Grünvernetzung entlang des Neckarufers werden zwei versetzte, siebengeschossige Punkthäuser mit ausreichendem Abstand zueinander angeordnet. Sie bieten Apartments für Studierende, die sich um einen zentralen Erschließungskern gruppieren. In jedem Geschoss sind Gemeinschaftsräume mit gemeinsam nutzbaren Balkonen vorgesehen. Die Erdgeschosszonen beherbergen Sammelstellplätze für Fahrräder.
Auf dem Areal des ehemaligen Freizeitbades entsteht ein fünfgeschossiges Sportzentrum mit integrierter Schwimmhalle. Der Baukörper bildet den westlichen Abschluss des Universitätsbereichs und steht in städtebaulichem Dialog zur angrenzenden Altstadt. Der Haupteingang liegt in unmittelbarer Nähe zum Platz am Bollwerksturm. Ein gemeinsames Foyer verbindet die Schwimmhalle im Erdgeschoss mit dem darüberliegenden Sportzentrum. Im zweiten Obergeschoss trennt ein zurückspringendes Geschoss die Nutzungen. Der umlaufende „Stadtbalkon“ bietet Ausblicke in die Umgebung. In den oberen Geschossen befinden sich eine Virtual E-Sports Arena und Fitnessbereiche. Ein eingeschnittener Innenhof im vierten Obergeschoss schafft zusätzliche Aufenthaltsqualität.
Teilbereich C – Areal Turmstraße
Südlich der Mannheimer Straße und nördlich entlang der Turmstraße werden vier-, fünf- und achtgeschossige Baukörper mit verbindenden Gebäudeteilen vorgeschlagen. Der achtgeschossige Kopfbau nimmt ein Boardinghouse mit Gemeinschafts- und Wohnbereichen auf; im Erdgeschoss ist ein Café vorgesehen. In den weiteren Gebäuden entstehen Apartments für studentisches Wohnen, teils über Laubengänge erschlossen.
Kategorie
Nichtoffener städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung
15.12.2025
Standort
Heilbronn
Status
Abgeschlossen
Auslober
Stadt Heilbronn, Dezernat IV – Bauen, Planen, Wohnen und Umwelt
vertreten durch das Planungs- und Baurechtsamt, Abteilung Stadtplanung
Cäcilienstraße 45, 74072 Heilbronn